Archiv für August 2015

P/ART Producers Artfair vom 24. – 27. September 2015 in Hamburg/Hammberbrook

Freitag, 28. August 2015

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Hier könnte jetzt ein kluger Satz stehen über Kunst und Künstler über Produktionsmittel und den Markt oder über Selbstausbeutung und Lebensentwürfe. Steht aber jetzt nicht hier. Weil unsere liebe Freundin Anna Seckler und ihre Kolleg/inn/en von der P/ART finden: Machen statt Quatschen ist allemal besser.

Und deshalb findet von Donnerstag 24. September bis Sonntag 29. September 2015 zum dritten Mal die P/ART Producers Artfair in Hamburg statt. Auf dieser „Kunstmesse“ stellen die diesmal 90 Künstler ihre Werke selbst aus und verkaufen sie auch gleich. An Dich, mich, uns, an alle. Vom Produzenten direkt zum Konsumenten. Was sollen die, die Kunstwerke, auch im Keller hoch gestapelt werden – wär doch schade drum.

Mit dabei ist auch die äusserst fleissige und rege gute aussichten-Preisträgerin Katrin Kamrau, die auf der P/ART ihre Arbeit „Spektrum“ (ein Bild aus der Serie oben) anbietet. Die Arbeit wurde seit 2010 um einige Objekte, wie z.B. das Buchregal erweitert, doch nach wie vor geht es Katrin Kamrau um die Frage: Wie entsteht ein Bild und was sagt der Entstehungsprozess über dieses Bild dann schon aus…?

Hingehen, anschauen, mit den Künstler/inne/n sprechen, sich austauschen, ein bisschen handeln und die Kunst sofort mit nach Hause nehmen!
Alle Infos zur P/ART (24.9.-29.9.2015) in Hamburg, im ehemaligen Kraftwerk Bille, Hammerbrook, gibt es hier.

Eine Liebeserklärung an die Fotografie & die Arbeit mit ihr – von Amélie Schneider

Mittwoch, 19. August 2015

Selten genug können Menschen über das, was sie tun, jeden Tag tun, was sie arbeiten eine vernünftige Beschreibung abgeben. Das hat sicherlich damit zu tun, dass sie das, was sie tun, nicht so schrecklich gern tun. Noch seltener ist es allerdings, dass jemand eine so wunderschöne Skizzierung dessen gelingt, was er jeden Tag tut. Und sehr gerne tut! Was wir hier von Amélie Schneider lesen dürfen ist schlicht eine Liebeserklärung an das Medium Fotografie und die tägliche Arbeit damit. Wie das gelingt? Da liebt jemand seinen Job, das Leben und die Fotografie! Eine getextete Sternstunde für die Fotografie frisch serviert aus der Fotoredaktion von NEON.

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Amélie Schneider, 33, (fotografiert von Kathrin Spirk) studierte Visuelle Kommunikation an der Academie Beeldende Kunsten in Maastricht. Seit sieben Jahre ist sie Mitglied der Fotoredaktion des Magazins NEON und seit 2015 deren Fotochefin. Amélie ist in diesem Jahr erstmals, neben so bekannten Persönlichkeiten wie der Kunsthistorikerin und Kulturjournalistin Dr. Wibke von Bonin und dem österreichischen Regisseur und Filmemacher Ulrich Seidl, Mitglied in der Jury von gute aussichten, dem laut SPIEGEL „renommiertesten Wettbewerb für junge Fotografie in Deutschland“. Zusammen mit der Chefredakteurin von NEON, Nicole Zepter legt Amélie Wert auf die kompromisslose Relevanz junger Fotografie im Heft.

Amélie Schneider
In meiner Arbeit ist mir meine Verantwortung gegenüber der Fotografie jeden Tag bewusst. Wir arbeiten sehr gründlich und überlegt und mit einer sehr spürstarken Optik. Ich meine damit, dass jeder für sich prüft, ob es die beste und zeitgemäße Lösung für eine Bebilderung ist, die wir in Druck geben. Vom Moment des Konferierens über die Themen und wie wir sie optisch sehen, über den Austausch darüber mit dem Fotografen bis hin zum fertigen Layout vergehen ca. drei Wochen. Das ist genug Zeit, um eine gute fotografische Arbeit reifen zu lassen.

Oft haben wir mehrere gute Lösungen, Layouts und lassen ein, zwei Nächte verstreichen und sie „reifen“. Morgens komme ich oft ins Büro und frage den Grafiker, mit dem ich die Bildauswahl gemacht habe: „Und, was hast Du heute Morgen gedacht, als Du das Layout gesehen hast?“ Meist weiß man es am nächsten Morgen sofort: „Das ist es“. Dann ist es so gut, dass man es sich immer wieder anschauen muss. Wie ein guter Song, den man auf repeat stellt um ihn richtig in die Venen zu kriegen.

Das Schöne an unserer Arbeit ist der Fluss. Zu spüren, wie sich die Fotografie jeden Tag bewegt. Mit dem Durchforsten von Portfolios und Tumblern Stimmungen einzuatmen. Viele davon sind nicht relevant für konkrete Veröffentlichungen und haben doch Einfluss auf unsre Wahrnehmung. Es kann ein bestimmtes Thema sein, ähnliche Übungen mit Licht und Mitmenschen, ein bestimmter Humor. Man bewegt sich in diesem Dickicht an Momenten und es verdichtet sich, man begibt sich auf die Welle, das ist wirklich surfen.

Plötzlich begegnet man einem Bild, das ungesehen ist und macht einen Screenshot. Es ist noch völlig unklar, was dieses Bild je für eine Verwendung haben wird, aber es muss „gepflückt“ werden. Dieses Pflücken und freezen von Bildern ist Teil meiner Arbeit rund um die Uhr. Dank Instagram spaziere ich den ganzen Tag, auch vor und nach dem Büro, durch Fotografenportfolios. Das Bauchgefühl, mit dem wir als Blattmacher arbeiten, ist jedoch nicht von persönlichem Geschmack geprägt. Es geht immer um den Auftrag des Editierens im Sinne des Mediums. Um die Frage, welche Bilder sind in diesem Monat relevant, welche Aspekte der Fotografie wollen wir fest halten? Was wollen wir sehen, wo wollen wir uns wiederfinden? Das Bündeln und mischen dieser Bilder unserer Generation ist mein Job.

Dabei ist der Aspekt des Mischens besonders interessant. Wir geniessen mit NEON als einem General Interest Magazin, den Vorzug, ein Forum für die verschiedenen Facetten der Fotografie, Mode, Portrait, Inszenierung, Reportage zu sein. Im Moment kombinieren wir sachliche Portrait-Fotografie aus Deutschland oft mit dem lässigen, beiläufigen, warmen Look aus Barcelona und der Bild- und Symbolkraft aus den USA und London. Unser Impressum liest sich oft wie das Line-up eines guten Clubs. Da findet man Residents, die uns seit Jahren begleiten, bei uns die ersten Veröffentlichungen hatten und jetzt kaum noch available sind, weil sie so gut gebucht sind. Genau so wie junge Fotografen, die noch keine bezahlten Jobs hatten, aber eine Nuance in der Fotografie zeigen, die auch wir gerade sehen und im Heft widerspiegeln wollen. Da zögern wir nicht, jemanden sofort für eine feste Rubrik zu buchen.

Der Vorgang ist also dieser: Wir haben einen Überblick, wir spüren etwas in der Fotografie, wir sehen das konkret bei einem jungen Fotografen und stellen es mit ihm für NEON her. Nicht selten übertrifft das Ergebnis die Erwartungen. Das ist dann der schönste Moment. Wenn die Vorstellung des Bildes durch das hergestellte Bild übertroffen wurde. Dann spüren der Fotograf und ich, es ist etwas Neues entstanden. Etwas, das die Fotografie wieder um einen Millimeter fort bewegt hat. Das passiert nicht in jedem Heft, aber wenn es passiert, wissen es beide, Fotograf und Fotoredakteur. Das ist dann mehr als die Summe der einzelnen Teile, wenn das Licht gestimmt hat, die Chemie zwischen Protagonist und Fotograf, wenn etwas passiert, was niemand sich am Schreibtisch vorher hat ausmalen können. Wie bei der Fliege in dem Portrait von Christian Kracht, das Julian Baumann 2008 fotografiert hat. Im richtigen Moment flog sie an und setzte sich auf Christian Krachts Wange.

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Der Schriftsteller und Journalist Christian Kracht, 2008, fotografiert von Julian Baumann

gute aussichten 2015/2016: Die – verdammt stark besetzte – Jury steht fest

Samstag, 15. August 2015

Alles neu macht nicht nur der Mai. Auch der August bringt hervor, was keiner erwartet hat und uns sehr freut. Zu der schon bekannten „Stamm“-Jury – dem lieben Mario Lombardo, der uns schon seit der Geburtsstunde von gute aussichten begleitet, Ingo Taubhorn, dem vorausschauenden Mann der zweiten Stunde und der klugen Wibke von Bonin –, die sich jährlich um die Gründerin von gute aussichten, Josefine Raab, versammelt, kommen in diesem Jahr viele neue, frische Gesichter. Dazu gehören …

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Amélie Schneider, Bildchefin des Magazins NEON, die im Frühjahr bereits an unserer gute aussichten_plattform6 in Hamburg teilnahm und deren Schreibtisch täglich mit neuen, oft jungen Fotografien geflutet wird. Ebenso freuen wir uns über die Teilnahme des renommierten österreichischen Regisseurs und Filmemachers Ulrich Seidl, so dass wir erstmals ein Vertreter der cinematographischen Kunst in der Jury begrüssen dürfen. Neu dabei ist auch Mona Mönnig, Fotografin und gute aussichten-Preisträgerin 2008/2009, womit wir nicht nur die natürliche Erfrischung der Jury befördern, sondern auch das Engagement unserer Preisträger würdigen. In diesem Jahr wieder einmal dabei ist …

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Ludger Derentahl, Leiter des Museums für Fotografie in Berlin, der uns bereits in den Jahren 2006, 2011 und 2012 freundlich in der Jury begeleitete und uns stets mit Rat und Tat unterstützt.

106 Einsendungen haben wir zu gute aussichten – junge deutsche fotografie // new german photography 2015/2016 erhalten, von denen 103 Einreichungen aus 36 Institutionen zum Wettberwerb zugelassen wurden. Ergo: Keine leichte Aufgabe, die da auf die Jury zukommt …

Vielen Dank! Für über 100 Einreichungen zu gute aussichten – junge deutsche fotografie 2015/2016

Donnerstag, 13. August 2015

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So sieht es, dank unseres guten, helfenden Geistes Anna Simone Wallinger, nach einer guten Woche harter Arbeit bei uns aus: Über 100 Einreichungen zu gute aussichten – junge deutsche fotografie 2015/2016 hatten uns bis zum Einsendeschluss am 31. Juli 2015 erreicht. Nun sind sie (fast alle) sortiert, erfasst, auf den diversen Rechnern und Festplatten verspeichert, die Daten und Einreichebögen geprüft bzw. ergänzt worden und können am Wettbewerb auch teilnehmen. Arbeit die keiner sieht, keiner merkt und die doch getan werden muss. Und wer denkt, das war es schon, der irrt…

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… denn obwohl wir, wie die werte, geschätzte Luminita Sabau immer in den Jurysitzungen zu sagen pflegte, kein Literatur- oder Buch-Wettbewerb sind, ist dieser fette Stapel von Publikationen bei uns eingegangen! Auch schän …

Wir danken allen Einreicher/inne/n und den betreuenden Professor/inn/en für ihr Engagement, ihre Informationen und die freundliche Unterstützung unserer Arbeit.

Wer in diesem Jahr in der neunköpfigen, stark besetzten Jury für gute aussichten 2015/2016 vertreten ist, steht hier und hier. Und wie die Jury – schon immer – arbeitet, das steht da.